Helmkamera-Videos

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DogCam Pro Zoom 550 Testbericht

Als ich im Frühjahr 2007 auf der Suche nach einer Helmkamera war, fiel meine Wahl auf die DogCam Pro Zoom 550, da diese im leistbaren Preissegment unter den Besten dabei war.

Lieferumfang und Kosten

DogCam Pro Zoom 550 und Zubehör. Der Kabelsalat ist schön zu sehen

DogCam Pro Zoom 550 und Zubehör. Der Kabelsalat ist nicht zu übersehen

Ich bestellte das Kit bei dogcamports.co.uk, der neben der Helmkamera selbst ein Mikrofon, eine Fernbedienung, einen Batteriehalter und die nötigen Kabel beinhaltete. Zusätzlich bestellte ich ein paar Halterungen (Goggle, Lenker, Helm). Dafür zahlte ich 225 Euro.

Die DogCam Pro Zoom 550 benötigt ein externes Aufzeichnungsgerät. Damals empfahl dogcamsports.co.uk den Sony Camcorder DCR HC96e. Für diesen habe ich 621 Euro bezahlt.

Als weiteres Zubehör habe ich mir ein Firewire-Kabel zum Überspielen der Videos vom Camcorder, Akkus für die Helmkamera, Ersatzakkus für den Camcorder, ein Universalladegerät und miniDV-Kassetten gekauft. Dies machte nochmals ca. 120 Euro aus. In Summe also knapp unter 1000 Euro.

Erster Eindruck

DogCam Pro 550 Kit mit LANC Fernsteuerung

DogCam Pro 550 Kit mit LANC Fernsteuerung

Ins Auge springen natürlich sofort die unzähligen Einzelkomponenten, die alle mit Kabeln miteinander verbunden sind und somit einen nicht unkomplizierten Kabelsalat bilden.

Über ein Adapter-Kabel wird die Helmkamera mit dem Camcorder und dem externen Akku-Pack verbunden. Daran hängt außerdem das Mikrofon und optional die Ferbedienung zum Zoomen.

Bei den ersten Tests ist auch die hervorragende Bildqualität aufgefallen. Weit besser als man es von den diversen Helmkamera-Videos auf den Video-Portalen kennt. Die Komprimierung fordert hier Tribut.

Außerdem hat mich überrascht, wie gut die Bilder bei schlechtem Licht sind. Später ist mir das bei Mountainbike-Touren im dunklen Wald und Skiabfahrten in der Dämmerung aufgefallen. Beim Fahren war die Sicht äußerst kritisch, am Video hat man davon nichts bemerkt.

Mikrofon

Im Helmkamera-Kit ist auch ein externes Mikrofon mit Windschutz enthalten. Damit hat man ein weiteres Kabel, das vom Rucksack aus verlegt werden muss. Der Windschutz ist leider relativ schnell verloren gegangen. Ohne Windschutz ist beim Biken und Skifahren aber deutliches Pfeifen zu hören. Ich habe seither das Mikrofon immer nur im Rucksack, was natürlich auch zu Störgeräuschen führt. Wie sich das anhört, kann man im Video vom 24h-Downhill am Semmering hören. Normalerweise ist das kein Problem, da die Videos sowieso mit Musik hinterlegt werden. Hin und wieder wäre aber der Original-Ton interessant.

Akkus

Der originale Camcorder-Akku hält etwas mehr als ein Stunde. Mit zwei Zusatzakkus mit größerer Kapazität kommt man aber mehrere Stunden durch.

Akku-Pack zur Versorgung der Helmkamera.

Akku-Pack zur Versorgung der Helmkamera.

Für die Helmkamera ist ein eigener Akkupack für acht Zellen notwendig. Die Nennspannung für die Kamera wäre 12 V, also 8 x 1,5, wie sie von Batterien geliefert werden. Allerdings funktioniert sie problemlos auch mit Akkus, also mit 8 x 1,2 V = 9,6 V. Ich habe 2700 mAh Akkus im Einsatz. Diese Akkus sind mir noch nie ausgegangen. Auch nach mehreren Stunden Einsatz über mehrere Tage verteilt.

Wichtig ist, die Akkuzellen im Akkupack zu sichern, damit sie bei Erschütterungen nicht rausfliegen. Anfangs habe ich Klebeband benutzt. Mittlerweile verwende ich Kabelbinder, die sich wieder öffnen lassen.

Ein weiteres Problem beim Akkupack ist das dünne Kabel. Nachdem wegen des gerissenen Kabels ein Video nichts geworden ist, habe ich ein dickeres Kabel angelötet.

Befestigung der Helmkamera

Goggle Mount. Zu beachten ist, dass die Kamera leicht nach oben ausgerichtet ist.

Goggle Mount. Zu beachten ist, dass die Kamera leicht nach oben ausgerichtet ist.

Meist haben wir die Helmkamera mit dem Goggle-Mount im Einsatz. Dies funktioniert sowohl beim Downhill-Mountainbiken als auch beim Skifahren oder Snowscooten. Mit mehreren Klettverschlüsse wird dabei die Kamera an das Brillenband befestigt. Das hat bis jetzt problemlos funktioniert.

Zuletzt dürfte aber dass Brillenband zu ausgeleiert sein, wodurch die Kamera bei Downhill-Mountainbiken deutlich gewackelt hat. Wir haben uns dann mit einem Tape beholfen.

Aufpassen muss man, dass die runde Kamera korrekt ausgerichtet ist. Leider sind schon einige Aufnahmen deutlich schief geworden, da beim schnellen Zusammenbauen, Einschalten und Testen die Kamera trotzdem verdreht war.

Alternativ zum Goggle Mount hatte ich auch eine Befestigung für den Mountainbike Cross-Country-Helm getestet. Diese wird mit Klettverschlüssen in den Löchern des Helms befestigt.

Zu beachten ist, dass sowohl beim Mountainbiken als auch beim Skifahren die Kamera etwas nach oben ausgerichtet werden muss, da man mit dem Kopf eher nach unten sieht.

Kassetten als Aufnahmemedium

Der Sony Camcorder DCR 96e, den DogCamSports damals empfohlen hat, verwendet MiniDV Kassetten als Aufnahmemedium. Die Kassetten gibt es beispielsweise bei Amazon.de um ca. 2 Euro pro Stück. Auf eine Kassette kann etwas über eine Stunde aufgezeichnet werden.

Die Vorteile der Kassetten:

  • Aufnahme in DV-Qualität
  • Mit ein paar Ersatzkassetten kein Problem mit dem Speicherplatz
  • Zumindest vorübergehendes Backup-Medium

Dank der Kassetten muss man die Videos nicht immer sofort überspielen. Andererseits ist das Überspielen (Capture) aufwändiger als ein Kopieren via USB oder Card-Reader. Und natürlich sind die Kassetten unhandlicher als Speicherkarten.

Qualität

Testbild der DogCamp Pro 550 Zoom

Testbild der DogCamp Pro 550 Zoom

Die Original-Videos haben nach dem Überspielen vom Camcorder eine Auflösung von 720×576 Pixel. Dabei sind allerdings am Rand einige schwarze Zeilen und Spalten enthalten. Zieht man diese ab, so bleibt ca. eine Auflösung von 704×568 Pixel. Dabei muss beachtet werden, dass die Pixel nicht quadratisch sind. Das Verhältnis Breite zu Höhe in Pixel ist nämlich ca. 5:4, das des Bildes aber 4:3. Zum Betrachten am PC sollte die Auflösung daher umgerechnet werden.

Einzig die Farben sind etwas blaß. Vorallem wenn keine Sonne scheint, wie beim Testbild rechts zu sehen.

Außerdem liefert die Kamera ein interlaced Bild. D.h. es werden abwechselnd Halbbilder übertragen. Ein Halbbild enthält die geraden, das nächste die ungeraden Zeilen. Beim Betrachten am Computer führt das vor allem bei horizontalen Bewegungen zu einem Streifen-Effekt.

Ich deinterlace die Videos mit Virtualdub und den Filter Deinterlace Smooth. Dieser Filter rechnet aus den 50 Halbbildern 50 Vollbilder. Diese eignen sich dann auch besser für Zeitlupen beim Schneiden der Videos.

Die Video-Qualität würde ich für eine Helmkamera in dieser Preisklasse als sehr gut bewerten. Beim Komprimieren für die Video-Portale wird die Qualität allerdings deutlich vermindert. Auch die Anpassung an Hell/Dunkel ist sehr schnell im Vergleich zu anderen Kameras. Allerdings bei manchen Szenen beim Downhill-Biken im Wald trotzdem zu langsam. Problematisch sind vor allem Aufnahmen im Wald wenn vereinzelt Sonnenstrahlen durchkommen. Hier ist der Kontrast zu gering und die sonnenbeschienen Stellen sind dann nur weiß.

Sehen kann man das gut anhand des Videos vom Bikepark Wagrain. Anfangs ist es bewölkt. Ab der Mitte kommt nach einer Pause die Sonne raus. Die Qualität wirkt deutlich schlechter. Viele Details sind nicht mehr erkennbar.

Positiv überrascht war ich von der Qualität der Kamera bei schlechtem Licht. Gleichmäßig schwaches Licht (z.B. Dämmerung) merkt man am Video kaum. In der Nacht wirkt die Kamera fast wie ein Nachtsichtgerät. Sie schaltet dann zwar auf Schwarz/Weiß um, aber man kann am Videobild viel mehr erkennen als mit bloßem Auge.

Auch ein paar Helmkamera-Video-Fahrten in der Nacht bei einem 24h-Downhill-Rennen sind relativ gut geworden, obwohl hier dunkle Stellen mit von Flutlicht ausgeleuchteten wechselten. Zu sehen hier: Nacht-Helmkamer-Video vom 24h-Downhill am Semmering.

LANC-Remote

LANC-Fernsteuerung

LANC-Fernsteuerung

LANC ist eine kabelgebundene Fernsteuerung für Camcorder. Anfangs hatte ich das noch nicht. Zum Ein- und Ausschalten musste ich den Camcorder jedes Mal aus dem Rucksack nehmen. Vor allem beim Skifahren war das extrem lästig. Da man dann seltener ausschaltet benötigt man viel mehr Kassetten und Strom.

Dazu kommt, dass der Ein- und Ausschaltknopf des Camcorders zwar gegen unabsichtliches Einschalten geschützt ist, aber relativ leicht in die Off-Position geht. Einige Male habe ich beim Einpacken in den Rucksack den Camcorder irrtümlich wieder ausgeschaltet.

Mit dem LANC-Kabel kann man den Camcorder einschalten, ausschalten, die Aufnahme starten und beenden. Außerdem sieht man anhand der zweifärbigen Leuchtdiode den Status (Aus, Ein, Aufnahme, Akku leer, Band leer).  Ist das LANC-Kabel angeschlossen, ist es egal, wenn der Einschaltknopf des Camcorders irrtümlich auf die Off-Position gedreht wird. Entscheidend ist immer die LANC-Fernsteuerung.

Mit einem Zusatz-Adapter wird beim Ausschalten auch die Stromversorgung zwischen Helmkamera und Akku-Pack unterbrochen, sodass auch hier Strom gespart werden kann.

Verpacken des Camcorders im Rucksack

Camcorder und Akku-Pack stoßsicher eingepackt

Camcorder und Akku-Pack stoßsicher eingepackt

Der Camcorder ist nicht unbedingt für die Erschütterungen ausgelegt, wie sie z.B. beim Downhill-Mountainbiken auftreten. Ich habe daher eine Schutzhülle aus Luftpolsterfolie gebastelt.

Bis jetzt hatte ich damit keine Probleme. Ein einziges Mal ist der Camcorder kurzfristig ausgefallen. Das war allerdings bei einem Sturz von einer “Wall” bei einem “Wallride”. Die Fehler im Bild haben dabei eher die Dramaturgie unterstützt. Zu sehen ist das ebenfalls im Wagrain Video.

Den Akku-Pack habe ich ebenfalls geschützt, da er relativ schwer ist und bei Erschütterung herumfliegen könnte. Optimal ist beim Filmen sowieso ein Rucksack, in dem der Camcorder, der Akku-Pack und die Kabeln eher knapp hineinpassen, damit sie nicht noch im Rucksack herumfliegen. Ich verwende meinen schon etwas älteren Camelbak Blowfisch.

Kabelanschlüsse am Camcorder: A/V und LANC. Schön zu sehen auch der große Akku mit mehr Kapazität

Kabelanschlüsse am Camcorder: A/V und LANC. Schön zu sehen auch der große Akku mit mehr Kapazität

Problematisch sind die Anschlusskabel am Camcorder. Beim LANC-Kabel war zwar ein Winkelstecker dabei, der damit gut passt und geschützt ist. Aber das A/V-Kabel ist gerade und steht seitlich doch deutlich weg. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Stecker im Camcorder mit der Zeit ausleiert und es dann zu Wackelkontakten kommen kann.

Aus dem Rucksack müssen dann zwei bis drei Kabel führen: Das Kabel zur Kamera, das LANC-Kabel und eventuell das Mikrofon-Kabel. Da das Mikrofon sowieso nicht so gute Qualität liefert, lasse ich es mittlerweile immer im Rucksack.

Meine Helmkamera hat noch ein langes fixes Anschlusskabel. Die neueren haben einen Stecker einige Zentimeter hinter der Kamera, sodass man z.B. den Helm leichter abnehmen kann.

Kontroll-Monitor

Kontrollmonitor am Camcorder

Kontrollmonitor am Camcorder

Über den Camcorder kann man sich das Bild, das die Helmkamera aufnimmt, vorab ansehen. Dies ist auch notwendig um sicherzustellen, dass die Kamera richtig ausgerichtet ist. Allerdigs muss man dazu den Camcorder aus dem Rucksack nehmen.

Vorteilhaft ist es auch, dass man sich die aufgenommen Videos sofort ansehen und so vor Ort Nachjustierungen im Winkel oder Zoom vornehmen kann.

Im Vergleich zu anderen Helmkamera-Systemen hat man zwar einen ordentlichen Monitor, aber die Handhabung ist nicht 100% optimal.

Fazit

Mit dem  DogCam Pro Zoom 550 Helmkamera-System können hervorragende Helmkamera-Videos erstellt werden. Allerdings ist die Handhabung relativ aufwändig.

Vorteile

  • Sehr gute Bild-Qualität. Auflösung annähernd 720×576 Pixel.
  • Viele Befestigungsmöglichkeiten (müssen teilweise dazugekauft werden).
  • Lange Akkulaufzeit der Helmkamera. Am Camcorder mit Zusatzakkus.
  • Lange Aufnahmedauer mit mehreren Kassetten.
  • Kassetten als Backup-Medium.
  • Kontrollmonitor im Camcorder vorhanden.
  • Videos können vor Ort angesehen werden.
  • Schnelle Anpassung an Hell/Dunkel.
  • Gute Bildqualität auch bei dunklen Lichtverhältnissen.
  • Man hat vollwertigen Camcorder auch für andere Zwecke

Nachteile

  • Kabelsalat und viele Einzelkomponenten.
  • Camcorder mit A/V-In nötig. Diese sind seltener und teurer.
  • Rucksack notwendig.
  • Vor allem ohne LANC umständliche Handhabung.
  • Probleme bei hohem Kontrast (einzelne Sonnenstrahlen im dunklen Wald).
  • Hoher Preis des Gesamtsystems
  • Externes Mikrofon (zusätzliches Kabel, Windschutz nicht optimal)
  • Deinterlacing und Umrechnung auf quadratische Pixel für Anzeige am Computer notwendig.
  • Anschlusskabeln am Camcorder könnten ausleiern.

Links

Videos mit der DogCam Pro Zoom 550

Kamera-Details DogCam Pro 550

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